Mir fällt auf, dass ich hier keine Messerabwehr sehe.. Warum?

Ich lesen hier nichts, wie ich ein Messer abwehre. Gehört das nicht zu Ihren Kompetenzen?

Haha,.. guter Witz. Eines der schlimmsten Dinge die im Umlauf sind, ist der Irrglaube, sich gegen einen Messerangriff erfolgreich verteidigen zu können. Ob nun Schirm, Schlagstock, Karate, Kung Fu, Krav Maga oder was auch immer. Erst im vergangenen Jahr wurden zwei Kickbox Weltmeister von einem Betrunkenen in einer Gaststätte abgestochen. Ich schreibe hier absichtlich „abgestochen“ und nicht erstochen, weil das Wort abgestochen viel besser zu dem unmenschlichen, blutigen und schrecklichen Ereignis passt. Es in seiner furchtbaren Brutalität besser beschreibt.

Viele Menschen haben das Bild des „Film Bösewichts“ im Kopf. Das sind die Angreifer, die das Messer hoch über den Kopf halten und dann mit dramatisch langsamen Schritten auf einen zu gehen.  Oder die andere Abteilung; das sind dann die, die knapp zwei Meter vor einem stehen bleiben und anfangen unter Drohungen mit dem Messer zu spielen. Um dann - wieder dramatisch langsam - auf einen zuzugehen.

Leider - leider… - sieht die Wirklichkeit anders aus. Fragen Sie mal einen Polizisten, was er tut, wenn ihn jemand mit einem Messer bedroht. Sich auf seine Nahkampfausbildung verlassen? Nein. Er zieht seine Waffe. Warum? Weil jemand, der ein Messer in Händen hat und vielleicht noch dazu geübt ist, eine tödliche Gefahr darstellt.

Wie läuft es in der Wirklichkeit ab? Jemand, der Sie mit einem Messer angreift, wird unauffällig bis auf Armlänge und weniger an Sie herankommen. Das Messer gut verdeckt. Dann wird er Sie mit einem Arm festhalten und mit dem Messer immer wieder - in schnellster Reihenfolge - auf Sie einstechen. Das war es dann auch. In „Fachkreisen“ nennt man dies „Die Nähmaschine“.

Sie werden sterben. Einfach verbluten. Manche schneller, manche langsamer. Aber Sie werden sterben. So ziemlich alle Systeme in Sachen Selbstverteidigung werden Ihnen irgendwas erzählen, dass nur ihr System die erfolgreichen Techniken vermitteln kann.

Sie - wir alle - müssen uns damit abfinden, dass es Situationen gibt, die tödlich sind.

Das es Gefahren gibt, die wir nicht beherrschen können.

Nur - falls Sie jemals in eine solche Situation kommen sollten, versuchen Sie erst gar nicht, den Helden zu geben. Laufen Sie weg. So schnell Sie können. Und so weit Sie können.

Wir sind sehr an Ihren Kommentaren interessiert; diskutieren Sie mit anderen Lesern und uns.

Haben Sie auch eine Frage an unseren Ausbilder Robert Amper? Schicken Sie uns diese per Mail an chefausbilder@sicherheitsschirm.com; er wird sie gerne hier für alle Leser beantworten.

Retten Sie Ihr Leben.

 

  

Februar 09, 2018 von Robert Amper

Kommentare

H.Hart.

H.Hart. said:

Ich habe Ihren Schirm.Ein Angreifer kommt auf mich zu.Ich muss damit rechnen,dass er ein Messer hat.Ich nehme meine Armverlängerung-sprich Schirm,und stoße oder schlage zu ehe er in meine Nähe kommt.
Und dann reiße ich aus!

Sentinel

Sentinel said:

Danke, danke, danke – dafür, dass hier endlich mal die Wahrheit zum Thema “Messer-Abwehr” geschrieben wird!

Andreas

Andreas said:

Ihre Beschreibung über einen Messerangriff kann ich voll bestätigen.
Genauso wurde ich mal von einem mit Messer überfallen. Er hielt mich wie ein Karnickel am Jackenkragen fest, stand auch so richtich schön fachmännisch seitlich zu mir und zeigte mit in seiner anderen (rechten) Hand sein Messer, zerrte mich zu meinem Auto. Dann sollte ich den Kofferraum öffnen…

Auf Grund der Tatsache, dass ich hier diese Zeilen jetzt schreiben kann, können Sie ja nun davon ausgehen, dass ich diese Szenarie überlebt habe (sogar (fast) unverletzt !).

Nun an alle Selbstverteidigungsspezis – wie bin ich da so glimpflich davon gekommen !?
Bedenkzeit!
Bedenkzeit!
Und noch ein bisschen Bedenkzeit…
Na – eine Idee ? Nein ?

OK – also – es war mein Jackenverschluss.
Ich hatte eine Jacke an, die wie eine Bomberjacke geschnitten war – mit diesem typischen Reißverschluss – nur Reisverschluss.
Den habe ich blitz schnell aufgezogen und bin (wollte) aus ihr quasi heraus rennen.
Dabei hat der Täter aber meine Jacke sofort losgelassen und hat mich noch an meiner hinteren Hosen/Gesäßtasche zu fassen gekriegt.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich allerdings bereits so viel Fluchtenergie entwickelt, dass ich meine Hose an seiner Hand der Länge nach aufgerissen habe. Bin dadurch dann aber trotzdem gestürzt.
Dann habe ich mich blitz schnell und laut schreiend auf dem Boden gekugelt, aufgesprungen und schreiend weg gelaufen.

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